Cursus Continuus Ausgabe B, Buch 1, Lektion 18: Der Trick des Tyrannen
(1)
Jener Tarquinius, dessen Beiname der Hochmütige war, belagerte lange die benachbarte Stadt Gabii. Sobald er diese weder durch Gewalt noch durch Belagerung erobern konnte, wendete er List und Betrug an. Selbst er zog sich nach Rom zurück, er legte die Fundamente der Tempel, er täuschte vor, dass er von den öffentlichen Arbeiten in Anspruch genommen worden ist. Dessen Sohn Sextus aber floh nach vorheriger Absprache nach Gabii und dort sagte er, dass des Vaters Grausamkeit die Ursache der Flucht gewesen wäre. Er sagte: "Zu euch Männer aus Gabii fliehe ich, bei euch will ich bleiben, weil ich keine andere Zuflucht habe und weil ich nirgends vor dem Vater sicher bin außer bei den Feinden. Dieser nämlich, vor dessen Anschlag ich gerade floh, wird mich töten, wenn er kann."
(2)
Die Gabiner nahmen den Sohn des Königs fröhlich auf, zogen ihn zu den öffentlichen Beratungen hinzu und machten ihn, sobald sie seine Klugheit und Kühnheit hatten, zum Anführer im Krieg. Schon siegten die Soldaten der Garbiner, als sie die Römer angegriffen hatten, plünderten die Dörfer und das Gebiet der Römer und glaubten schon, dass der Anführer Sextus ihnen von den Göttern geschickt sei. Nachdem dieser aber gesehen hatte, dass er bei den Garbinern alles vermochte, schickte er heimlich einen Boten zum Vater und fragte, was er tun solle. Tarquinius antwortete dem Boten nichts, sondern ging mit ihm durch den Garten spazieren und schlug mit dem Schwert die spitzen der Mohnstauden ab. Sobald dies dem Sextus gemeldet wurde, hat er sofort die Pläne des Vaters erkannt und klagte andere Fürsten des Staates beim Volk wegen Hochverrats an, vertrieb die einen aus der Stadt, tötete heimlich die anderen, bis er die durch Hilfe geraubte Stadt dem Vater ohne Kampf übergeben konnte.