Cursus Continuus Ausgabe B, Buch 2, Lektion 1: Kein Wasser für die Göttin!
(1)
Schon war Latona von langer Anstrengung erschöpft, da sie ihre Kinder mit sich trug, nach Lykien gekommen, Wo die glühende Sonne die Felder austrocknete.Vom schrecklichen Durst gequält sah sie zufällig in einem
tiefen Tal einen Teich und Bauern, die Weinruten sammelten.Die Göttin ging zum Wasser hin, aber die Menge der herbeieilenden Bauern verbaten ihr zu trinken.Latona aber mahnte die, die es verbaten, wie folgt:
„Was haltet ihr mich mit lauter Stimme schreiend vom Wasser ab? Das Wasser gehört allen!Warum verweigert ihr also mir, die ich so flehend bitte, das Wasser? Bewegen euch meine Kinder etwa nicht, wie sie ihre Arme ausstrecken?" Und zufällig streckten die Kinder ihre Arme aus. Jene (Bauern) hörten jedoch nicht auf, die Göttin (vom Wasser) fernzuhalten, und sie wühlten das Wasser im Weiher auf, indem sie darin herumsprangen.
(2)
Dann sagte Latona, jene sehr mächtige Göttin, wobei sie die Arme zum Himmel streckte:
„Alle Zeit werdet ihr in diesem Teich leben!" Gleich gehen die Wünsche der Göttin in Erfüllung: Es erfreut sie, dass die frechen Bauern unterm Wasser sind und bald am Ufer sitzend, bald ins Wasser springend machen sie schändliche Sprüche und obwohl sie unter Wasser sind, versuchen sie unter Wasser zu lästern. Allmählich werden sie verwandelt, wobei sie dies tun: Schon ist die Stimme der Rufenden rau, ihre Gesichter werden breiter als vorher, die Hälse blähen sich auf und kurze Zeit später erblickt Latona, dass die im Teich schwimmenden zu Fröschen verwandelt sind.