Cursus Continuus Ausgabe B, Buch 2, Lektion 9: Komm mit zum Frühlingsfest!
(1)
Licinia: Weißt du, was für ein Tag heute ist, Sextus?
Sextus: Die Iden des März, warum fragst du?
L: Weil an diesem Tag das Fest der Anna Perenna ist, nicht weit von den Ufern des Tiber.
S: Ich kümmere mich nicht um derartige Festtage, welche nur das niedrige Volk erfreuen.
L: Sind wir selbst beim Glauben an die Götter etwa keine Plebejer?
S: Sind wir, aber ich glaube, dass wir durch andere Sachen erfreut werden, als ein großer Teil des Volkes.
L: Ich weiß, dass du immer an ernste Dinge denkst. Manchmal aber, wie Horatius sagt, ist es angenehm auszuflippen.
S: Ich kenne jenen Horatius, aber hasse die Verwirrung und die Unruhe dieses Tages.
L: Warum hasst du die Verwirrung? Überall wirst du fröhliche Gestalten sehen, denn die Menschen bemühen sich heute um nichts andres als die Freude: Sie singen Lieder, die sie in Theatern gelernt haben...
S: ...und trinken eifrig! Gehört es sich etwa, dass eine Frau trinkt? Du solltest dich von einer so üblen Sache fernhalten! Auch solltest du dich erinnern, dass deine Mutter Wein immer gehasst hat!
(2)
L: Ich begehre dennoch an den Tiber zu gehen. Gehe mit mir, Sextus! Wenn du mit mir gehen wirst...
S: Ich gehe, damit ich mich nicht allzusehr quäle - aber höre: Trinke nicht! Nicht einmal ein wenig Wein!
L: Ich werde mich ganz vom Wein fernhalten. Aber lass uns schnell weggehen!
(Kurz danach sieht Sextus Titus Clodius mit seiner Frau und fragt:)
S: Hallo, wohin geht ihr?
T: An den Tiber, Sextus, wohin alle gehen, schon der Vater, wie du weißt, ging alljährlich dorthin, obwohl er Unruhe hasste; jetzt gehen wir und die Söhne gehen zu einer anderen Zeit.
S: Ich gehe auch gerne dorthin, denn manchmal ist es angenehm auszuflippen.
L: Schau, mein Sextus, der gerade kaum bewegt werden konnte, mit mir zu gehen!